Review Sonisphere 2009 in Hockenheim

Juli 5, 2009

Da wir “Metallica” in Frankfurt leider nicht sehen konnten, wurde ich trotz meiner Festival-Aversion überredet, das Sonisphere-Festival auf dem Hockenheimring zu besuchen. Zum Zeitpunkt des Kartenkaufs (96€ Tribünenplatz!) stand wie so üblich das Lineup noch nicht fest, aber man geht ja eh nur wegen “Metallica” hin.

Die erste Überraschung kam, als ich morgens noch einmal auf die Website geschaut habe: Die Bühne wurde verlegt und damit standen keine Tribünenplätze mehr zur Verfügung. Man sollte auf dem Gelände aber dafür einen extra Stehbereich haben und zusätzlich klimatisiertes Catering. Sowas entscheidet sich natürlich erst am Tag des Festivals (ich lach mich schepp), am Freitag Abend stand auf jeden Fall noch nichts davon im Netz – naja, so bekommen halt die Leute vor Ort den Ärger ab und nicht die eigentlich zuständige Orga.

professionelle Hinweisschilder Um 9 sollte Einlass sein, ein Freund, der um 11 eintraf, berichtete von längeren Schlangen. Als wir gegen 14:45 nach einer halben Stunde Fußmarsch, geleitet von <ironie>professionellen Schildern</ironie> auf dem Gelände ankamen, war der Eingangsbereich eher leer und wir sind direkt durchgegangen. Drinnen sollten wir dann irgendwo unsere Bändchen bekommen, sind also auf die Suche gegangen und erst mal Richtung Klimabox gelaufen, wo die Ordner alles ohne Kontrolle durchgewunken haben, so viel also zu Special-sonisphere klimabox Area. Das Catering drinnen beschränkte sich auf einen Cola/Wasser/Bier-Stand, Sicht auf die Bühne gab es auch nicht. Meine Laune war gelinde gesagt mäßig. Bändchen gab’s hier übrigens nicht, die haben wir uns dann nachher draußen bei 3 unmotivierten Security-Menschen geholt. Naja, es spielte (oder lärmte) eh gerade nur “down”, so dass wir uns entschieden, erst einmal drin rumzuhängen und unser draußen geholtes Essen zu verdrücken.

In Extremo Beim Soundcheck für “In Extremo” sind wir dann raus und haben uns einen Platz in der Menge gesucht. Die Mittelalter-Rocker haben dann ein solides Programm gespielt, leider ohne die übliche Pyrotechnik, die wohl “Metallica” vorbehalten war. Richtig dicke Stimmung kam aber irgendwie nicht auf, zu viele der mitreißenden Songs wurden ausgelassen. Jetzt wurde auch klar, warum die Tribüne aufgelöst worden war – das Gelände wäre sonst nicht voll geworden. Egal, danach wieder rein und erst mal was trinken. Die Idee hatten noch so einige, doch die Veranstalter haben wohl nicht wirklich gut kalkuliert und gegen 17:30 war das Wasser aus, es gab nur noch Bier. Nach einer weiteren Dreiviertelstunde war zwar wieder aufgefüllt, aber der Stimmung am Stand war das nicht dienlich.

The Prodigy Als nächstes kamen “The Prodigy”. Ich enthalte mich lieber eines Kommentares, “utz, utz”-Musik auf einem Rock-Festival habe ich noch nie gemocht. Laut meiner Frau waren sie aber wohl ganz gut. Draußen ging das Chaos weiter, wie mir später berichtet wurde, da die Leute, die vorher ohne Bändchen in die Absperrung kamen, jetzt nicht mehr reingelassen wurden. Warum die Nasen rausgingen, und ihren Platz nicht behielten wundert man sich? Naja, leider gab es in dem ganzen Bereich weder Klo noch irgendetwas zu trinken. Ziemlich beschissen organisiert.

“Die Toten Hosen” kamen als nächstes und sorgten richtig für Stimmung. Die Setlist wDie Toten Hosenar klasse, enthielt viele alte Kracher, so dass auch die nicht so hardcore Fans ihren Spaß hatten. Als Campino dann bei einem Song den Text verbockt hatte und einen Fan sah, der sich darüber lustig machte, wurde dieser direkt auf die Bühne geholt und durfte zu Ende singen, was mit viel Jubel belohnt wurde. Insgesamt eine richtig gute Vorstellung; ich habe die Hosen noch nie live gesehen, aber das kam wirklich gut.

metallica_logo_3008 Punkt 21 Uhr kamen dann “Metallica” auf die Bühne und rockten mit “Fight fire with fire” den Platz. Es folgte ein sehr solider Mix aus alten Bekannten und neuem Material von “Death Magnetic” (komplette Setlist siehe hier). Die vier hatten sichtlich Spaß und das Publikum genauso. Effekte wie Pyro oder Raketen wurden recht sparsam eingesetzt, da hätte man auch “In Extremo” noch vorher ran lassen dürfen. Beim Publikum merkte man, dass es zum Großteil nicht aus die-hard-fans bestand, die bekannteren Songs wie “One” oder “Enter Sandman” sorgten für deutlich mehr Stimmung als “Ride the lightning”, oder “Cyanide”. Bei mir als alten Queen-Fan kam natürlich der erste Song der Zugabe “Stone cold crazy” super an, das hatten die Jungs um Hetfield schon beim Freddy Mercury Tribute in Wembley gespielt. Insgesamt ein routinierter Auftritt, geht bei mir nicht in die Top Ten ein, aber “Metallica” sollte man einmal gesehen haben.

Im großen und ganzen war für mich das Festival durchwachsen. “In Extremo” waren ok, die Hosen und “Metallica” richtig gut. Aber zu dem Preis hätte ich deutlich professionellere Organisation und generell etwas mehr an Show erwartet. Als Merchandising-Gimmick konnte man sich übrigens direkt nach dem Sonisphere einen USB-Stick kaufen, der schon Konzertaufnahmen enthielt. Bin mal gespannt, wie lange es dauert, bis der Inhalt seinen Weg als torrent ins Netz findet.

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