Tipps zur Stressreduzierung #4: Den Kopf leer bekommen
Endlich Wochenende, den Job hinter sich lassen. Samstag morgen wird kurz darüber nachgedacht, was man so einkaufen muss und da es nur eine Handvoll Artikel sind, kann man sich das auch merken und fährt direkt los. Auf dem Weg zum Supermarkt noch eben bei der Tankstelle vorbei und den Wagen mit Sprit versorgen. In der Auslage an der Kasse liegt ein Musikmagazin, das einen daran erinnert, dass man noch Karten für ein Konzert nächste Woche holen muss. Im Supermarkt dann angekommen, trifft man einen Bekannten, der fragt, ob man nächsten Freitag Lust hätte, Abends mal vorbeizukommen und gemeinsam mal wieder zu quatschen; klar doch. Auf dem Parkplatz fällt einem ein, dass man drinnen nun doch die Milch vergessen hat, also nochmal schnell rein. Die Rückfahrt geht dann zügig, unterwegs hat man eine tolle Idee für das aktuelle Projekt auf der Arbeit und zu Hause angekommen grübelt man dann verzweifelt nach, wann man sich doch gleich mit dem Kumpel treffen wollte – konnte eigentlich fast jeder Tag gewesen sein, außer Freitag, da war ja ein Konzert; habe ich dafür eigentlich schon Karten gekauft?
Kommt euch sowas bekannt vor? 1000 Dinge zu den unmöglichsten Zeitpunkten im Kopf, aber trotzdem die wichtigen Sachen vergessen? Für mich ist das selbstgemachter Stress in Reinkultur.
Mein Mittel dagegen ist Aufschreiben, und zwar immer. In David Allens “Wie ich die Dinge geregelt kriege” wird dies “ubiquitious capture” genannt, auf deutsch so etwas wie “universelles Erfassen”. Jede Idee, jeder Input, der auftaucht sollte irgendwo so erfasst werden, dass er garantiert nicht untergeht. Im Prinzip versucht man mit dieser Strategie das altbekannte Sprichwort “Aus den Augen, aus dem Sinn” für sich selbst positiv zu nutzen. Gedanken, die ich in ein System schreibe, von dem ich weiß, dass ich dort regelmäßig reinschaue, brauche ich mir nicht 100x zu machen (“ich muss an die Milch denken, ich muss an die Milch denken, ich muss an die …”).
Dazu braucht man ein Tool, das immer bereit ist, das man immer dabei hat. Für mich ist dies unterwegs normalerweise mein Handy, auf dem ich Evernote installiert habe. Im Beispiel oben kommt dazu dann noch der triviale Einkaufszettel. Sitze ich zu Hause oder auf der Arbeit am Rechner, verwende ich den Windows-Client von Evernote. Die lowtech-Alternative ist der gute alte Zettelblock, oder alternativ auch ein Pocketmod. Es zählt nicht die Technik, sondern das Ergebnis.
Ich versuche das immer mehr und immer konsequenter zu verfolgen. Jedes Todo, jede Idee, auch unterwegs, wird aufgeschrieben und ich weiß damit, dass ich sie verarbeiten werde und sie nicht untergeht. Der Stressfaktor reduziert sich ungemein, da man nicht an 1000 Dinge gleichzeitig denken muss. Der Kopf wird frei für andere Dinge, kreative Gedanken tauchen auf einmal auf, da man sein RAM im Kopf nicht mehr mit zumüllt. Man muss sich erst einmal daran gewöhnen und erntet für die Notiererei auch manchmal einen seltsamen Blick (im Beruf weniger, im privaten schon eher), aber ich bin der Meinung, dass es das wert ist.
Die älteren Tipps findet man hier
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