National Geographic “Devil’s Bible”– auch ohne Fakten lässt sich prima Doku machen

Oktober 18, 2009

Gerade eben auf ntv eine National Geographic Doku gesehen – normalerweise sind die Dinger ganz unterhaltsam. Ein paar Fakten über irgendwelche mysteriösen Dinge werden gesammelt und in einer Geschichte verwoben; das ganze unterhaltsam präsentiert.

codexgigas Aber was dieses Mal dran ist, war doch eher schwach. Der Titel “Die Bibel des Teufels” verhieß natürlich sensationelles, geboten wurde aber die ganzen 60 Minuten über nicht ein Fakt. 4 “Wissenschaftler” dürfen sich in Stockholm den Codex Gigas anschauen und beginnen mit wilden Mutmaßungen über seine Entstehung. Man vermutet, dass das riesige 75 kg Werk von einem Autor geschrieben wurde, der mit dem Teufel im Bunde war. Die Hochrechnung kommt dann auf ca. 20 Jahre, was natürlich als völlig unrealistisch hingestellt wird. Die aufwendige Untersuchung der Tinte (Schwarzlicht an – aha, Insektentinte – Schwarzlicht aus) bringt nicht so ganz die Klarheit. Am Ende wird noch in 3 Minuten die graphologische Untersuchung präsentiert, die zeigt, dass die Schrift über den ganzen Band nicht wechselt, also ist ein Autor doch sehr wahrscheinlich. Dann noch schnell in einer Namensliste im Buch geschaut, einen Namen gesucht, der gut aussieht, und diesen als möglichen Autor präsentiert und die Geschichte hat ein Ende.

Kein Wort wird verloren, was nun die Namensliste überhaupt darstellt. Ist dies eine Liste der Mitarbeiter, ist es vielleicht eine Liste geistiger Würdenträger oder einfach nur die Lieferanten der mysteriösen Tinte? Was steht nun wirklich in dem Buch? Es wird darüber gesprochen, dass altes und neues Testament zusammen mit Zaubersprüchen abgeschrieben wurden. Aber kein Wort über die Vollständigkeit oder Originaltreue. Im Bericht sieht man deutlich, dass einige Seiten invers, also weiß auf schwarz gedruckt sind – nichts wird dazu gesagt.

Ein sehr schwacher Bericht, der mit ein paar sensationellen Bildern aufgewertet wurde. Warum kann man nicht etwas mehr Zeit in Fakten investieren und einen wirklich guten Bericht verfassen. Muss alles immer mit solch oberflächlichem Müll geflutet werden, nur, um durch den Titel ein paar Zuschauer auf die Nachrichtensender zu ziehen?

Wer mag, kann sich das komplett digitalisierte Werk übrigens hier ansehen.

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