Tipps zur Stressreduzierung #5: Die Wahrnehmung ändern
“Gerade im Stress, oder kann ich dich eben was fragen?” – wer kennt ihr nicht, den Floskelsatz in dieser oder ähnlicher Form? Stress wird als normal angesehen, nicht gestresst zu sein als die Ausnahme. Aber ist es wirklich so, dass man im Regelfall gestresst ist und nur selten im “Normalmodus” arbeitet? Dieser Teil meiner kleinen Serie befasst sich mit der Wahrnehmung.
Vielleicht wird das Wort “Stress” auch nur inflationär gebraucht – bedeutet viel Arbeit zu haben auch automatisch, dass man im Stress ist? Die Definition von Stress sagt vereinfacht, dass man sich dann in einer Stresssituation befindet, wenn eine Situation, die einem unangenehm ist, bevorsteht und man sie nicht vermeiden kann. Wichtig hierbei ist, dass es eine subjektive Wahrnehmung ist.
Man fühlt sich also nur beengt oder in die Ecke gedrängt. Wie oft haben wir Situationen erlebt, wo wir beispielsweise einen zugesagten Termin nicht halten konnten und befürchtet haben, dass ein Vorgesetzter uns dafür die Hölle heiß macht? Wie oft hat sich die Befürchtung als unbegründet herausgestellt, weil der selbe Vorgesetzte Verständnis für die persönliche Situation gezeigt hat?
Wie kann ich meinen persönlichen Stress nun reduzieren?
Viel zu tun != Stress
Wenn ich viel Arbeit habe, ist dies grundsätzlich einmal kein schlechter Zustand. Solange ich meine Arbeit mache und mein möglichstes tue, habe ich keinen Stress, sondern nur viel zu tun. Arbeit mit Stress gleichzusetzen bringt nur einen unnötigen negativen Touch in das ganze und fördert den Stress.
Termindruck fördert Stress
Stress erscheint, wenn ich Termindruck habe. Termindruck gibt es dann, wenn ich den Zeitaufwand für meine Arbeit schlecht eingeschätzt habe. Ich muss als Softwareentwickler oft Abschätzungen über den zu erwartenden Zeitaufwand für die Erledigung einer Aufgabe abgeben. Bisher habe ich dies oft nach Erfahrung und Bauchgefühl probiert, merke aber teilweise, dass ich gründlich danebenliege. Tritt dies auf, kann Stress entstehen, weil ein Kunde ungeduldig wird. Ich versuche dies derzeit mit einer interessanten Methode (Evidence Based Scheduling) zu verbessen.
Wenn man seine Termine nicht selbst macht und permanent mit der Zeit nicht hin kommt, sollte man unbedingt ein Gespräch mit dem vereinbaren, der die Termine macht. Es hilft ja nichts, wenn die Termine eng gelegt sind und die Arbeit dann nicht fertig ist. Lieber eine realistische Zeitschätzung machen, die man ab und an unterbietet, als das Gegenteil.
Lernen, nein zu sagen
Oft generiert man sich Stress, indem man mehr Arbeit annimmt, als man schaffen kann. Dies ist oft nicht einmal böswillig, man will ja beispielsweise dem Kollegen oder einem Familienmitglied helfen. Bevor man zusagt, sollte man sich aber überlegen, wie man dies tut. Ein freundliches “Ich helfe dir gerne, muss aber noch X fertigstellen. Reicht es dir, wenn ich mich danach dransetze?” wird oft akzeptiert. Auch ein ehrliches nein wird niemanden aufs tiefste beleidigen. Aber das Thema hatten wir schon einmal.
Do not overpromise, overdeliver
Oder auch auf deutsch, versprich nicht mehr als du halten kannst. Wenn man immer wieder Termine nicht halten kann, fällt das irgendwann auf und man gilt als unzuverlässig. Lieber die Termine so setzen, dass sie später liegen, aber dafür erfüllbar sind. Liefert man dann früher oder besser, werden sich das Leute positiv merken und man gilt als zuverlässig, ohne Stress dafür zu kassieren.
Pausen machen
Selbst in der schlimmsten Hektik sollte man sich ab und an eine Pause gönnen. Pausenloses arbeiten provoziert Fehler, Fehler kosten Zeit und Zeit hat man keine. Lieber proaktiv eine Pause einschieben.
Früherkennung und offensives Verhalten
Um Stress zu vermeiden, muss man potentielle Stresssituationen früh erkennen und darauf reagieren. Habe ich nächste Woche einen Abgabetermin? Kann ich dafür vielleicht heute schon etwas vorbereiten? Oder wenn ich weiß, dass ich einen Termin garantiert nicht halten kann, dann sage ich meinem Partner frühzeitig Bescheid, damit ich ihm oder ihr nicht noch zusätzlichen Stress durch eine knappe Absage verschaffe. Der “vielleicht klappt’s ja doch noch”-Ansatz ist kein guter. Lieber eine Vorwarnung geben und sie dann wegen einer positiveren Entwicklung wieder zurücknehmen, als mit vollen Segeln in die Stresssituation fahren.
Ich denke jeder wird hier seine typischen Probleme erkennen, ich schließe mich da nicht aus. Aber wenn man nur an ein oder zwei Schrauben dreht, dann verändert sich oft schon die gesamte Maschinerie zum besseren. Nicht aufgeben!
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