Deutschland im Schneechaos – oder eher doch nicht?

Januar 9, 2010

Die Woche war es mal wieder so weit: praktisch alle Dienste, die irgendetwas mit Wetter zu tun haben, gaben für das Wochenende eine Wetterwarnung heraus. Tief Daisy bringt Eiseskälte, Sturm und meterhohen Schnee in ganz Deutschland. Wir werden mit Stromausfällen zu rechnen haben, Straßen für Monate unbefahrbar sein und sowieso werden wir alle sterben. Pünktlich für 16 Uhr am gestrigen Freitag war das Chaos bestellt – auf der Arbeit sitzend warteten wir also auf die Schneewand, die sich sicher gleich zeigen wird. OK, kam nichts, aber vielleicht die Nacht über.

Schneeauto Wenn ich jetzt auch dem Fenster schaue (Mainz-Kastel), dann regt sich ein laues Lüftchen, wir haben einen knappen Zentimeter Neuschnee über Nacht bekommen und das Thermometer zeigt um die Null Grad an. Andere Regionen hat es härter erwischt, aber im großen und ganzen halt normaler Schneefall. War ja ein Volltreffer, ich weiß schon, warum ich Wetterberichten, die mehr als 24h in die Zukunft gehen überhaupt keinen Glauben schenke.

Das wirkliche Problem liegt aber meiner Ansicht nach daran, dass der Wetterdienst mal mit Temperatur oder Niederschlagsmenge etwas danebenliegt, sondern an dem seit ein paar Jahren inflationären Gebrauch von Wetterwarnungen. Gut, so wie die Mainzer Auto fahren sind sicherlich auch 3 Tropfen Regen gefährlich, aber generell führt diese Warnungsflut nur dazu, dass sie kein Mensch mehr ernst nimmt. Gerade wenn dann so ein Klopper wie dieses Wochenende kommen soll und ausbleibt, fragt man sich ernsthaft, ob die nächste Orkanwarnung nicht auch nur dazu dient, die Menschen auf die mit Werbung vollgepflasterten Seiten der Wetterdienste zu locken.

Nicht vergessen, Wetter ist ein Geschäft, das zeigen deutlich die Auseinandersetzungen zwischen Jörg Kachelmann und dem DWD. Wer zuerst vor einem Unwetter warnt, der zieht Kunden auf seine Seite und wird auch bei zukünftigen Anfragen früher berücksichtigt. Gerade auch das lukrative Geschäft als Datenlieferant für Handywetter, Mediacenter, Windows-Wetter-Plugin und wasweißichwasnoch bringt Umsatz solange die Leute daran glauben.

Meine Empfehlung fürs Wetterschauen: Zuerst das eigene Thermometer am Küchenfenster befragen und nur wenn es notwendig wird maximal 24h vorher auf eine x-beliebige Wetterseite schauen.

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