9x sicher im Netz – Malware, Scareware, Werbung vermeiden
Das Internet ist ein gefährlicher Ort, gerade für Menschen, die nicht so computeraffin sind. Leicht fällt man auf eine gut gefälschte Seite herein, installiert sich nervige Werbesoftware, bekommt seinen online-Game-Account ausspioniert oder im schlimmsten Fall, sein Bankkonto leergeräumt.
Als Informatiker der Familie bin ich dann oft derjenige, der aufräumen darf und dann aussprechen muss, was keiner wahrhaben will: “Mach die Kiste platt, da ist sowieso nichts mehr zu retten”. Warum gibt es nun Menschen, die regelmäßig ihren Rechner zerlegen und andere, die nur dann neu installieren müssen (wollen), wenn gerade ein neues Betriebssystem erschienen ist? Die Antwort ist eigentlich einfach, man muss ein paar absolut simple Regeln befolgen und damit lässt sich sicher surfen.
Auf der Liste der Ursachen ganz oben stehen Unachtsamkeit, Unwissenheit und Neugier. Wer das Internet wie das echte Leben behandelt, dem kann ziemlich wenig passieren. Los geht’s:
1. Emails von Banken oder anderen eigentlich vertrauenswürdigen Stellen
Gefälschte Emails von Banken haben nicht nur das eine Ziel, euer Konto leerzuräumen. Oft geht es einfach nur darum, durch den reinen Besuch einer Website Werbesoftware oder schlimmeres zu installieren. Daher Regel #1: NIEMALS einen Link in einer email direkt anklicken. Immer entweder den Link über die Favoriten eures Browsers aufrufen, abtippen, oder über das Clipboard in den Browser einfügen. Auch wenn die Adresse im Link vertrauenswürdig erscheint, sie kann gut gefälscht sein.
2. Sichere Passworte verwenden (und sichere Fragen)
Auf jeder Website, die ein Passwort verlangt, ein neues verwenden. Auch wenn dies als aufwändig erscheint, es ist es wert. Stellt euch vor, jemand bekommt das Passwort für eure letzte Anmeldung in einem Internetforum heraus und kann damit auch gleich eure Emails lesen (die Adresse habt ihr ja bei der Forumsregistrierung eingegeben). Keine gute Idee. Wie man einfache, aber trotzdem sichere Passworte erstellt, hatte ich hier schon einmal beschrieben. Wer sich die Passwort nicht alle merken kann, der installiert sich einen Passwortsafe, der mit einem langen Passwort gesichert wird, beispielsweise das kostenlose Keepass.
Wichtig sind auch die Fragen zur Passwortwiederherstellung. Wenn die Website dazu die Möglichkeit bietet, denkt euch eigene Fragen aus. Und zwar NICHT “Wie lautet der Name meines Haustieres”, das kann man als Außenstehender recht einfach herausbekommen (jemand ein Haustierblog vielleicht?), sondern eher so etwas wie “Welche Farbe haben meine Sofakissen”.
3. Niemals ein Passwort herausgeben
Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber gerade im Zeitalter der online-Spiele oft ignoriert, damit der Freund (aus dem Internet, den man noch nie persönlich getroffen hat) mal eben die Urlaubsvertretung machen kann. Nach den 2 Wochen Ferien wundert man sich dann, warum der eigene Charakter plötzlich keine Ausrüstung mehr hat, oder durch Verdacht auf Chinafarming gebannt wurde. Ach ja, der Freund ist natürlich nicht mehr zu erreichen und da ihr das gleiche Passwort auch für euren Facebook-Account verwendet habt, sind da auch einige Leute sauer auf euch.
Gleiches gilt auch für PIN/TAN. Ein Mitarbeiter einer Bank wird euch NIE, NIE, NIE dazu auffordern, diese herauszugeben. Wenn man also danach gefragt wird, ignorieren.
4. Nie etwas aufgrund von unaufgeforderter Emailwerbung kaufen
Email-Werbung ist deswegen so attraktiv, weil sie billig ist. Ein Werbeversender schickt Millionen von Emails automatisiert heraus. Wenn auch nur eine davon angeklickt wird und zu einem Kauf von 5€ führt, macht er Gewinn. Oft reicht alleine der Besuch der beworbenen Website auf, um Werbeeinnahmen zu generieren (oder euch einen Trojaner unterzuschieben). Um Spam einzudämmen, gibt es nur den Weg, nicht eine einzige dieser Emails zu beachten.
5. Jobanzeigen, die zu toll aussehen, ignorieren
Ihr seid auf Arbeitssuche und das tolle Nebenjobangebot sieht verlockend aus? 1000€ Nebenverdienst fürs vor dem Rechner sitzen? Ignorieren – es ist zu gut, um wahr zu sein. Auch nicht anklicken wegen der Werbung (hatten wir ja schon ein paarmal).
6. Einen aktuellen Browser benutzen
Wer immer noch mit dem Internet Explorer 6 surft, der sollte schleunigst aktualisieren. Gleiches gilt auch für andere alte Browser wie Firefox 2 oder ähnliche. Ein Browser ist wie euer Auto, wenn hier nicht regelmäßig gewartet wird, sinkt die Sicherheit. Die meisten Browser sind kostenlos und man kann sie von der Seite des Herstellers herunterladen. Davon mal abgesehen haben sie oft neue, durchaus nützliche Funktionen.
Firefox gibt’s hier, Internet Explorer hier, Chrome hier und Opera dort.
7. Popups ignorieren, die sagen, dass man einen Virus hat
Ebenfalls ein sehr beliebter Weg, Zugang zum eigenen Rechner zu bekommen, sind Scare-Popups. Man besucht eine Website und auf einmal kommt die Warnung “Achtung Virus! Bitte hier klicken, um ihn zu entfernen”. Identifizieren kann man diese Warnungen recht einfach, indem man einmal das Fenster des Browsers bewegt. Bewegt sich die Warnung mit, am besten mit Alt+F4 den Browser ohne Umschweife beenden. Meist ist das X zum Schließen des Fensters nur vorgegaukelt.
8. Keine Computerverbesserungstools verwenden
Sie versprechen das Blaue vom Himmel: Der Rechner wird schneller, das Internet flotter, die Farben bunter. Egal, ob es sich um kommerzielle Tools wie Norton 360, oder kostenlose Registry Cleaner und ähnliches handelt – lasst es. In 99% der Fälle reicht gesunder Menschenverstand, die Tools können nichts retten. Spart euch das Geld und die Nerven, auch ein Auto wird nicht schneller, nur weil man es rot lackiert.
9. Seinen Kopf benutzen
Die wichtigste Regel überhaupt: grundsätzlich das Netz so behandeln, wie man die Welt draußen behandelt. Gibt man wildfremden Menschen seine Telefonnummer und Adresse, nur weil man ein damit ein kostenloses irgendwas bekommt? Eher nicht. Greift ihr auf der Straße nach jeder Werbung? Auch hier sagt man doch häufiger mal “nein danke”. Warum sich im Web also anders benehmen? Einfach überlegen, wie das Verhältnis zwischen Herausgabe persönlicher Daten und dem eigenen Gewinn ist. Rechtfertigt das Angebot die Herausgabe, oder sollte man es besser für sich behalten?
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