Windows Mobile 7 – leben Tote länger?
Nachdem Microsoft in seiner Mix-Konferenz das Ende für nativen Code unter Windows Mobile 7 erklärt hatte, gab es nun die erste negative Auswirkung dieser Entscheidung: die Mozilla-Foundation hat die Entwicklung für Fennec, die mobile Variante von Firefox, eingefroren.
Wenn solch eine prominente Entwicklungsschmiede auf einmal beschließt, die Entwicklung für ein derzeit mäßig populäres Handy-Betriebssystem einzustellen, dann ist dies ein harter Schlag. Hat Microsoft die Markmacht von Apple und dem iPhone so dermaßen unterschätzt, dass der Konzern aus Redmond den Anschluss verpasst hat?
Ich denke nicht – die Frage ist nur, wie sich die Kollegen von Bill aus der Affäre ziehen werden und welche Kunden am Ende bei Ihnen hängen bleiben.
Das iPhone hat den Ruf als durchdesigntes Entertainment-Gerät. Allerdings gängelt es den User dermaßen durch Vertragsbindung, so lustige Dinge wie die Aktivierung und Bestückung nur über iTunes, den App-Store mit voller Kontrolle über die installierte Software inklusive Möglichkeit, dem User seine gekauften Produkte wegzunehmen, dass irgendwann die User missmutig werden. Ich bin mir sicher, dass hier noch etwas geschehen muss, wenn Apple nicht gegen die Konkurrenten an Image einbüßen wird. Würde Microsoft so ein Verhalten an den Tag legen…
Der Blackberry ist als Business-Email-Maschine konzipiert und RIM versucht dies nun durch Werbung für andere Zielgruppen und bessere Multimedia-Fähigkeiten auszubessern. Ich habe allerdings Zweifel, ob das zentrale Server-Konzept im Europa des Datenschutzes bei jeder Firma auf Gegenliebe stößt.
Die Smartphones von Nokia zielen auf die Multimedia-Generation mit Musik und Video. Kalender- und Email geht zwar auch, aber ich habe einfach nicht das Gefühl, dass der Konzern aus dem hohen Norden sich hier platzieren will.
Android, allen voran das damit ausgestatte Nexus kann ich von der Zielgruppe her noch nicht ganz so einordnen. Momentan erscheint es wie ein Geek-Experiment, das zwar schon massentauglich ist, aber vom Image her unter Linux leidet (weil Frickelei) und vor allem in Europa mit der Datensammelmut von Google zu kämpfen hat. Ich denke, hier wird es noch eine Zeit dauern, bis diese Negativpunkte verschwinden – wenn überhaupt.
Ich sehe die Chance von Microsoft-Phones immer noch als Business-Gerät, auch wenn die aktuelle Entwicklungsplanung mit XNA eher nach Spielzeug klingt. Man sollte aber nicht unterschätzen, dass mit dotnet eine komplette Entwicklungsumgebung dahintersteht, die durch Visual Studio unterstützt wird. Nicht (nur) die Programmiersprache macht das Programm, sondern gerade die Entwicklungsumgebung kann viel dazu beitragen. Bisher ist Windows Mobile das einzige mobile Betriebssystem, dass mit Aufgaben vom Exchange anständig umgehen kann. Selbst Apple hat mit dem iPhone eingesehen, dass Smartphones einfach teuer sind (+/- 500€ sind kein Pappenstil) und man neben dem ganzen Spaß auch etwas Produktivität liefern sollte.
Mit Windows 7 hat man bewiesen, wie man ein totales Marketing-Desaster (welches ich nicht wirklich nachvollziehen kann, mein Vista lief seit Erscheinungstag bis zum Erscheinungstag von Windows 7 ohne Neuinstallation auf meinem Arbeitsrechner), in den absoluten Marketing-Triumph umwandeln kann. Wenn dieser Effekt auch nur im Ansatz für Windows 7 Mobile genutzt werden kann, dann kann vielleicht doch noch etwas aus den Dingern werden. Ich hoffe zumindest drauf, bisher fahre ich mit meinem HTC Touch Cruise gut und würde es gerne gegen ein moderneres Gerät mit gleichem System tauschen. Ich würde einfach gerne weiterhin ein produktives System für unterwegs haben, nicht nur eine Spielekiste.
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